Atmung
Bodydarma
Zur Atmung
Die Atmung ist der Schlüssel zum Erreichen der "KI"-Energie. Aus dieser heraus wird unser Handeln harmonisch "HAP", und es besteht die Möglichkeit, eine Weltsicht "DO" zu erreichen.
Die Auswirkungen
Die Atmung ist das zentrale Element zur persönlichen Beherrschung von Körper und Geist. Die Zwerchfellatmung (Bauchatmung) zentriert die Atmung (und Energie = KI) im Körperschwerpunkt und erhöht so unser Gleichgewicht. Die geistige Führung des Atems hilft, den Körper zu spüren und einzelne Körperteile gezielt anzusprechen.
Durch die bewusste und kontrollierte Atmung gewinnt man als Person ein größeres Maß an Freiheit und Unabhängigkeit gegenüber den unbewussten und bewussten Einflüssen von außen durch Personen und Situationen. Aber auch die Einflüsse von Innen durch Vorurteile und standardisierte Lösungen aus früheren ähnlichen Situationen werden leichter erkennbar und hinterfragbar. Somit gewinnen wir die Freiheit zur richtigen Aktion in der aktuellen Situation. Das bedeutet, unser Handeln wird spontaner und direkter, ist aber dennoch bewusst und im Einklang "HAP" mit der Situation.
Die Technik
Die "richtige Atemtechnik" gibt es nicht. Jedoch gibt es spezielle Atemübungen und Kriterien, nach denen jeder seine Atmung verbessern kann. So ist prinzipiell die oben angesprochene Zwerchfellatmung mit einem ruhigen, gleichmäßigen und tiefen Atemrhythmus anzustreben.
Das Prinzip ist hier (wie bei den Techniken), vom unbewussten, durch unser Leben geprägten Atem, über den bewussten, durch Atemtechniken erfahrenen Atem, zum unbewussten, aber durch den Einklang "HAP" des Atems mit der Natur "KI" korrekten "DO" Atem. Wichtig ist es, bei allen Atemübungen die Körperreaktionen genau zu beobachten. Unter Umständen fällt es einem schwer, eine Übung auszuführen, dadurch sollte man sich jedoch nicht davon abhalten lassen, weiter zu üben. Meistens liegt das Problem in der neuen Bewegung sowie den dazu aktivierten, bisher nicht benutzten Muskeln. Stellen sich jedoch körperliche Verspannungen sowie eine innere Abneigung ein, so ist die Atemübung von ihrem Kern her nicht richtig erkannt und wird mit einer nicht adäquaten körperlichen oder geistigen Haltung durchgeführt.
Die Übungen
Die Atemübungen lassen sich den einzelnen Zielen entsprechend unterteilen:
1. Mittelpunktatmung
2. Energiesteuerungsatmung
3. Entspannungsatmung
4. Konzentrations-, Besinnungsatmung
5. Meditationsatmung
Alle diese speziellen Atemübungen sind zwar von ihrer Ausführung her unterschiedlich, was auch notwendig ist, da sie willentlich durchgeführt werden. Sie führen jedoch zu einem Zulassen der natürlichen Atmung "KI-Atmung".
Die Übung in der Kampfkunst kann die innere Entwicklung eines Menschen unterstützen. Charakterlich verankerte emotionale Zustände wie beispielsweise Aggressivität, Ängstlichkeit und Schüchternheit oder Traurigkeit können dabei allmählich ihren beherrschenden Einfluss verlieren. Ebenso aber kommt es zu einer Steigerung von Gesundheit, Vitalität und Lebensfreude. Durch die Harmonisierung von Körper und Geist entwickelt sich innere Kraft. Die Selbstverteidigung wird dabei nicht unterschätzt, ist aber eher eine willkommene Zugabe.
Bei einem perfekt ausgeführten Übungsablauf, (Poomse) (wobei man nicht sagen kann, man würde einen bestimmten Bewegungsablauf völlig beherrschen, da es Perfektion nicht gibt) sind alle drei Elemente - Geist, Emotion und Körper - miteinander verbunden auf die Ausführung dieses einen Bewegungsablaufes ausgerichtet.
Die Bewegungen zu kennen und seinen Körper in eine Verfassung zu bringen, dass er sie auch ausführen kann, ist nur ein Aspekt beim Erlernen einer Poomse. Es müssen auch die Gedanken und Gefühle, die scheinbar willkürlich auftauchen und wieder verschwinden, registriert und losgelassen werden, damit alle geistige und emotionale Energie für die Übungsform zur Verfügung steht. Der Übende wird sich dabei hinderlicher Gefühlszustände und seiner ständig wahllos kreisenden Gedanken bewusst, da sie seine Aufmerksamkeit von der Ausübung der Übungsform abziehen. Er gewinnt also ein bestimmtes Bewusstsein über die Beschaffenheit seines Geistes und die emotionalen Zustände, die ihn regieren. Eine Poomse ist nichts anderes als Meditation in der Bewegung, an der die Gesamtheit des menschlichen Organismus beteiligt ist.
Meditation in der Bewegung
Rein intellektuell wird man die geistigen Wegkomponenten der Kampfkunst niemals verstehen können, da es sich dabei um einen Entwicklungsprozess und nicht um eine bloße Anhäufung von Wissen oder eine Ansammlung von Erfahrungen handelt. Höchstes Ziel der Kampfkünste ist die Verschmelzung von Geist, Gefühl und Körper zu einem Zustand einfachen natürlichen Seins.
Stabilität
Durch beständiges Training können sich im Laufe der Jahre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit entwickeln, wir werden körperlich und geistig stabiler. Man steht dann mit beiden Beinen auf dem Boden und entwickelt allmählich einen dauernden Schwerpunkt. Stand entwickeln heißt im erweiterten Sinn nicht nur, im Training stabil zu stehen, sondern sich auch seiner Lebenssituation zu stellen und bewusst zu sein, dem Glück oder Unglück der eigenen familiären und beruflichen Situation, seinen vermeintlichen und wirklichen psychologischen und mitmenschlichen Problemen. Macht man, was man tut, weil man das will oder lebt man in Kompromissen? Ein wirklicher Kampfkünstler konfrontiert sich mit sich nicht nur im Dojang (koreansche Bezeichnung für Übungsraum), er achtet auch auf sein Fundament im täglichen Leben.
Einsatz
All diese Dinge fallen einem allerdings nicht in den Schoß. Man muss sich über Jahre hinweg einsetzen und im wahrsten Sinne des Wortes "Schwitzen". Endloses Schwitzen sozusagen, mit Disziplin, Beständigkeit, aber auch viel Freude. Manchmal erschließt sich einem eine neue Erfahrung, wenn man über die Erschöpfung hinausgeht, beispielsweise nach der 99. Durchführung ein und derselben Technik hintereinander. Auch als Fortgeschrittener wird man die ersten Bewegungsabläufe immer weiter üben und sie ständig weiterentwickeln. So wie der Anfänger bei einer Poomse daran arbeitet, sie überhaupt erst einmal körperlich durchführen zu können und Stand und Gleichgewicht zu entwickeln, arbeitet ein fortgeschrittenerer Schüler an Feinheiten wie dem Einklang von Bewegung, Rhythmus und Atmung. Er entdeckt vielleicht gerade die Musikalität einer Poomse, das Zusammenspiel von Ein- und Ausatmung mit der Bewegung, den sinnvollen Wechsel von Anspannung und Entspannung. Egal welche Technik, welcher Bewegungsablauf, jede Bewegung, jede Aktion, jeder Block und jeder Schlag muss so intensiv wie möglich durchgeführt werden, mit aller verfügbaren Energie und der größtmöglichen Konzentration und Aufmerksamkeit, als ob es um das eigene Leben ginge. Dazu muss der imaginäre Gegner in jedem Augenblick präsent sein, in einem Schattenkampf auf Leben und Tod.
Atmung
Das Bindeglied zwischen feinstofflichen und grobstofflichen Bereichen ist die Atmung - ein zentraler Punkt jeder Kampfkunst. Sie hilft dabei, unsere Körperfunktionen, Gedanken und Gefühle zu beruhigen. Dabei sind spezielle Atemtechniken nicht notwendig, da durch das Üben der Bewegungsformen sich im Laufe der Jahre von selbst eine natürliche Atmung einstellt. Durch die Verbindung der Formen mit der Atmung entwickelt sich die innere Kraft. Dabei werden die Techniken vom Schwerpunkt im Unterbauch ausgehend mit dem ganzen Körper gemacht.
