Vitalpunkte / Nervenzentralpunkte

In einigen traditionellen, aber auch modernen Kampfkünsten (wie z.B. dem Hapkido) sind Vitalpunkte die Hauptangriffspunkte. Fast jede Technik zielt auf  Vitalpunkte oder bedient sich deren Hilfe. Selbst bei Hebeltechniken dient die Stimulation der Vitalpunkte zur Unterstützung. Durch Schlag, Stoß, Druck oder Hebel werden in den Kampfkünsten nur ca. 60 Punkte genutzt (von ca. 361 klassischen Akkupunkturpunkten), deren Wirkung von der Lähmung über die Bewusstlosigkeit bis hin zum Tod reicht.

 

Die Nutzung der Nervenpunkte in den Kampfkünsten entwickelte sich aus den Erkenntnissen der chinesischen Medizin. Chuan Fa Meister erkannten die Nutzbarkeit der Stimulation der Nervenpunkte des Körpers für den Kampf. Es reichten die Kenntnisse über die Punkte natürlich nicht allein, denn um sie nutzen zu können, muss man erst einmal kämpfen lernen. Nervenpunkte können nur ein ideales Hilfsmittel sein, um einen Kampf leichter und schneller zu beenden.

Der Weg des Lernens geht von dem Studieren der Lage und Wirkung der Punkte in der Theorie, bis in zum Finden und Ansprechen durch Schlag, Druck, Stoß oder Hebel. Wobei man meist mit dem Studieren von Hebeln beginnt, da man hier lernen kann, den Partner zu achten und die Stimulation dosiert einzusetzen. Es reicht natürlich nicht das Wissen um die genaue Lage der Punkte, es bedarf eines ständigen jahrelangen Trainings unter Anleitung eines Meisters (aber nicht alle Meister verfügen über Kenntnis der Vitalpunkte), um sicher in der Anwendung zu werden.

Viele Kampfkunstlehrer haben nur oberflächliche Kenntnisse darüber, entsprechend ist dann auch das Wissen der Schüler, bzw. die Wirkung der Technik. Die Stimulation ist weniger eine Frage der Kraft, als vielmehr der Präzision, des Winkels und der Richtung. Um Vitalpunkte zu stimulieren, bedarf es nicht der groben Ganzkörperübung am Schlagpolster, sondern mehr der Kräftigung der Finger und des Trainings der Handhaltungen beim Schlag. Also, Vitalpunktstimulation ist ständiger Begleiter im Training der Kampfkunst.

Leider findet man im Internet immer wieder, dass  ohne nur im Ansatz das Wesen der Vitalpunkte verstanden zu haben, Veröffentlichungen gemacht werden, bzw. Seminare angeboten werden,  nur um mit dem "Trend" Vitalpunkt mitzuziehen und seine Euro´s (oder auch Dollars) zu machen. Die Kenntnis über Vitalpunkte ist so gering, dass nur ungefähre Bereiche benannt werden können (wie z.B.: Achilles-Sehne, Kopfnerv......usw.). Nur was darüber lesen reicht bei weitem nicht aus, um "up to date" zu sein, geschweige denn es lehren zu können. Um mit Vitalpunkten effektiv und sicher arbeiten zu können, reicht Theoriewissen allein nicht aus. Es reicht auch nicht zu wissen, wie man verletzt, man sollte auch wissen, wie man heilt.